31 Dez 2009 geschrieben von
Pusteblume
Das Bielefelder Screening
BISC ist die Abkürzung für Bielefelder Screening, ein normiertes Test-Verfahren zur Früherkennung von Lese-Rechtschreibschwierigkeiten bei Vorschulkindern (10 Monate bzw. 4 Monate) vor der Einschulung.
„Das Testverfahren erlaubt die zuverlässige und objektive Erfassung spezifischer vorschulischer Schriftsprachvoraussetzungen und besitzt hohe prognostische Validität für später auftretende Lese-Rechtschreibschwierigkeiten in den ersten beiden Schuljahren“
Zu den grundlegenden Bedingungen für das Lernen von Lesen und Schreiben gehörten besonders:
- Die phonologische Bewusstheit
- Das Aufmerksamkeitsverhalten
- Der Zugriff auf das Gedächtnis
Das BISC wurde auf Grundlage dieser Erkenntnis entwickelt und enthält „Items“, die diese Bereiche erkenntnisgewinnend abdecken.
8 Aufgabenbereiche werden mit dem Kind durchgearbeitet.
1. Pseudowörter –Nachsprechen: das Kind spricht z.B. Zippelzack nach
Das Bereithalten der beim Lese- und Schreibvorgang notwendigen Informationen gelingt nur dann, wenn die Information nach Aufnahme in das Kurzzeitgedächtnis hinreichend aktiviert bleibt, genügend Kapazität (=Gedächtnisspanne) vorhanden ist und ein schneller, fehlerfreier Abruf aus dem Kurzzeitgedächtnis möglich ist. (Hohe Gedächtnisspanne –> Gute Lese- und Rechtschreibleistungen)
2. Reimen: das Kind entscheidet: reimt sich / reimt sich nicht
z.B. Bäume-Träume
Damit Kinder die Zuordnung von Lauten zu Schriftzeichen erwerben, müssen sie ihre Aufmerksamkeit von der Äußerung (= Inhalt) weg, hin auf den formalen Aspekt richten, um Merkmale zu unterscheiden. Sie müssen Einsicht in die Struktur der Sprache gewinnen.
3. Wort-Vergleich-Suchaufgabe: die Kinder entscheiden, welches Wortbild gleich aussieht:
Floh
Dach Fein Floh Rose
Visuelle Aufmerksamkeitssteuerung: das Kind muss wichtige und unwichtige Informationsteile unterscheiden und diese Informationen aufmerksamkeitskontrolliert verarbeiten. Die Stellung und Anzahl der Buchstaben im Wort, die Schreibweise von Groß- und Kleinschreibung müssen vom Kind internalisiert werden. Das heißt: Die Beachtung, Verarbeitung und Einbeziehung visueller Informationen von Schrift sind notwendige Bestandteile jeden Leseprozesses. (Langsamkeit: große Wahrscheinlichkeit von Richtigkeit)
4. Laute-Assoziieren: Das Kind hört z.B. Ei – s , entscheidet, worum es sich handelt, zeigt auf das Eis-Bild einer Vorlage und spricht das Wort „Eis“ aus.
Die Beachtung und Analyse der Lautstruktur wird verlangt. Die Aufmerksamkeit muss vom Inhalt weg, hin zu zum formalen Aspekt der Sprache gerichtet werden. (= Abstraktionsebene)
5. Schnelles-Bennen-Farben (Schwarz-weiß-Objekte):
Das Kind beweist mehrfach, dass es Farben beherrscht und diese den gezeigten Obst und Gemüsebildern zuordnen kann. Es sieht auf einer Vorlage farblose Obst- und Gemüsebilder und benennt unter Zeitdruck die fehlenden Farben.
Schneller Abruf aus dem Langzeitgedächtnis, unbeeinflusst durch Störinformationen. Diese Aufgabe ähnelt dem Abruf einer bestimmten lautlichen Einheit z.B. I i: I, wenn der Buchstabe „i“ gezeigt wird.
6. Schnelles-Benennen-Farben (Farbig inkongruente Objekte)
Hier sind die Obst- und Gemüsebilder mit falschen Farben dargestellt. Das Kind benennt unter Zeitdruck die richtigen Farben.
Schneller Abruf aus dem Langzeitgedächtnis trotz Störreiz (= falsche Farbe) Schneller Abruf: gute Leser.
Die Differenz aus 5 und 6 gibt Auskunft über die Störanfälligkeit des Abrufs aus dem Langzeitgedächtnis.
Beim Lesen- und Schreibenlernen nehmen die Kenntnisse über Buchstaben oder Buchstabenverbindungen ständig zu und müssen schnell abrufbar sein.
7.Silben-Segmentieren:
das Kind hört ein Wort und spricht es klatschend in Silben z.B. finden: fin – den
Phonologische Bewusstheit: Einblick in die Lautstruktur von Sprache.
8. Laut-zu-Wort:
das Kind entscheidet, ob es den genannten Laut z.B. „au“ in dem genannten Wort „Auto“ hört.
Phonologische Bewussthiet: Einsicht in die Lautstruktur von Sprache.
Alle Ergebnisse werden in einem Protokollbogen während der Testdurchführung vermerkt und anschließend ausgewertet.
Ein Risiko besteht, wenn ein Kind mehr als drei Risikopunkte bekommen hat.
Die Ergebnisse werden den Eltern mitgeteilt, ggfs. mit ihnen besprochen. Wichtig ist: Gute Interpretation der Ergebnisse, um mit allen Beteiligten über eventuelle Fördermaßnahmen, ärztliche Untersuchungen und spielerische Übungen für zu Hause und/oder Kita und/oder Schule zu beraten.
Jansen,H., Mannhaupt,G.,Marx,H.,Skowronek, H.;:
BISC Bielfelder Screening zur Früherkennung von Lese-Rechtschreibschwierigkeiten
Hogrefe Verlag GmbH & Co.KG, Göttingen 2002
2.,überarb. Auflage
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